Wir haben genug Obst gegessen – Benefits am Limit

Um neue Mitarbeiter zu gewinnen und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden muss man sich als Unternehmen schon ganz schön was einfallen lassen oder?

Ja und nein. Einfallen lassen muss man sich nur etwas, wenn man sich vorher nie darum gekümmert hat. Und das ist leider die große Mehrzahl der Unternehmen. Vom „War Of Talents“ reden wir ja nicht erst seit Gestern, nur leider sind vielen Worten keine Taten gefolgt.

„Aber worum hätte man sich denn früher kümmern können?“ werde ich öfter gefragt. Meine Antwort darauf ist: Um die Menschen im Unternehmen und ihre Bedürfnisse hätte man sich kümmern können. Das haben viele Unternehmen schlicht versäumt. Nach wie vor ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen, dass am Ende die Menschen zählen. Sie sind es, die durch den Einsatz ihrer Zeit dafür sorgen, dass Produkte an den Kunden gebracht werden oder durch deren Ideen neue Produkte entwickelt werden. (Ja, natürlich werden sie dafür entlohnt. Der Unterschied heute ist: Wenn sie nicht im einen Unternehmen für ihren Einsatz entlohnt werden, werden sie es in einem anderen. Oder werden Influencer ;))

Viele Benefits sind aus der Not heraus geboren. Weil man sich nicht wahrhaftig mit dem Unternehmen, seiner Sinnhaftigkeit und damit auch der Sinnhaftigkeit einer jeden Aufgabe im Unternehmen gewidmet hat. Benefits sind deshalb häufig Symptombekämpfung. Sie sind die Wiedergutmachung für das, was Unternehmer ansonsten nicht schaffen: Den Menschen wertzuschätzen.

So viele Mitarbeiter sind überlastet und übergehen tagtäglich ihre Grenzen und Werte für Tätigkeiten, in denen sie letztlich keinen Sinn sehen. Um dieses Problem auszublenden braucht es Benefits. Benefits die ruhigstellen und die davon abhalten die Sinnfrage zu stellen. Weil man im Idealfall ja alles hat, was man sich in einem Unternehmen nur so wünschen kann. (Nur eben keinen Sinn und keine wahrhaftige Wertschätzung/Annahme..). Wie viele Mitarbeiter ertragen den ganzen Frust, den sie am Arbeitsplatz empfinden, um dann abends dem Ärger beim Frustkaufen im Corporate Benefits Portal wieder Luft zu machen.

Nur wer in der eigentlichen Tätigkeit keinen höheren Sinn für sich persönlich und keine Annahme seiner Person im Unternehmen erkennen kann, braucht wirklich Benefits – als Schadensbegrenzung. Mit einem Gehalt, dem Schmerzensgeld, kommen die Schmerzensbenefits on top.

Aus meiner persönlichen Sicht braucht es keine 20 fancy Benefits on top. Aber es braucht fünf ehrlich gemeinte, gelebte Benefits, weil wir sie inzwischen alle gewöhnt sind.

Warum fordern Bewerber denn Benefits? Doch nicht, weil alle so scharf aufs Jobrad sind. Und auch nicht, weil sich alle den ganzen Tag mit Äpfeln und Bananen vollstopfen möchten, sondern weil Unternehmen es versäumen, den Menschen in den Fokus zu rücken.

Wenn Menschen einer Tätigkeit nachgehen, die ihnen entspricht, in der sie selbstbestimmt ihre Stärken einbringen können und Vertrauen genießen.. Wer braucht dann Benefits?

Andersherum: Wenn Menschen einer Tätigkeit nachgehen, die ihnen nicht entspricht, in der sie keinen Sinn sehen, die sie nicht berührt und darüber hinaus ständig erfordert, dass sie ihre Grenzen übergehen und ihre Werte an der Eingangstür abgeben.. Dann können Benefits schon ganz schon hilfreich sein, die Arbeit erträglich zu machen, oder?

Inzwischen sind Unternehmen an einem Punkt angelangt, an dem es ohne gewisse Benefits fast gar nicht mehr zu gehen scheint. Denn dass Weiterbildung im einen Unternehmen viel größer geschrieben wird als in allen anderen Unternehmen, kauft einem ohnehin niemand mehr ab. Deshalb: Je mehr Benefits, desto besser? Irgendwas davon wird schon gut sein. Und weil Unternehmen es ohnehin mit den Tätigkeiten, die sie anbieten, selten schaffen Sinnhaftigkeit in den Menschen auszulösen, die die Aufgaben ausführen, braucht es eben einen anderen Ausgleich..

Meine Tipps:

  • Benefits definieren, die wirklich passen
  • Benefits mit Leben füllen
  • Bewerbern erzählen, wie diese Benefits mit Leben gefüllt werden (Stichwort Employer Branding)

* Bitte sieh mir nach, dass ich im Fluss des Schreibens das Gendern nicht so drauf habe. Meine Worte beziehen sich natürlich immer auf sämtliche Geschlechter.

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